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Dies Academicus   2003

Ehrenpromotionen

Laudatio

Die Juristische Fakultät der Universität Basel verleiht die Würde des Doktors der Rechtswissenschaft ehrenhalber an

Frau lic. phil Anni Lanz, Basel

  • die als aktives Mitglied mehrerer Nichtregierungsorganisationen die schweizerische Menschenrechtspolitik im internationalen Kontext beobachtet und zu beeinflussen versucht;
  • die konsequent die Reflexion über Menschenrechte mit Lobbyarbeit für die Verbesserung des Rechts und mit konkreter Hilfe für betroffene Menschen verknüpft (insbesondere in Frauen- und Migrationsfragen sowie in deren Schnittbereich);
  • die damit als Vertreterin der Zivilgesellschaft zur Wirksamkeit der international garantierten Menschenrechte in der Schweiz beiträgt.

 

     
 

Lebenslauf

lic. phil Anni Lanz, Basel

Anni Lanz absolvierte nach dem Mädchengymnasium von 1965 bis 1969 eine vierjährige Ausbildung an der Kunstgewerbeschule und heiratete mit 24 Jahren ihren Schulkollegen Niklaus Lanz. Nach verschiedenen Tätigkeiten als medizinische Zeichnerin und als Verkäuferin entschied sich Anni Lanz 1971 für ein Soziologiestudium. Ihr Hauptinteresse richtete sich dabei auf soziale Bewegungen, nicht nur aus wissenschaftlicher Perspektive sondern vor allem auch als Option für politisches Handeln. Fasziniert von hierarchiefreien Gesellschaftsmodellen und Selbstverwaltung bereiste Anni Lanz das Tanzania des "Mwalimu Nyerere". Nach dem Lizentiat an der Universität Zürich erwarb sie das Basler Wirtepatent, um mit ähnlich Gesinnten im Jahre 1979 den Selbstverwaltungsbetrieb und die Beizengenossenschaft Hirscheneck in Basel zu gründen. 1982 baute Sie den Gastwirtschaftsbetrieb in der Kulturwerkstatt Kaserne auf, 1985 das Kultur- und Quartierprojekt "Alte Stadtgärtnerei", das mit einer Volksabstimmung beendet wurde. 1984 engagierte sich Anni Lanz in der Asylbewegung und in der Frauenbewegung. Dabei arbeitete sie weiter im Gastgewerbe. Ab 1988 führte Anni Lanz die Kantine der Kleinen Kunstgewerbeschule, baute mit türkischen und kurdischen Frauen das Selbsthilfeprojekt Manolya auf und erwarb sich als teilzeitliche Anwaltssekretärin das notwendige juristische Handwerk für die rechtliche Beratung bei Manolya. Sie beherbergte 1993/94, zusammen mit anderen Engagierten, von der Empfangsstelle abgewiesene Asylsuchende bis zur Aufhebung der "Papierweisung" und beteiligte sich seit 1988 beim Frauenrat für Aussenpolitik. Die Arbeit mit dem Asylrecht öffnete ihr die Augen für die Bedeutung der Menschenrechte. 1993 nahm Anni Lanz am NGO-Forum der UNO-Menschenrechtskonferenz in Wien teil. Zusammen mit engagierten Migrantinnen gelang es Anni Lanz, Brücken zwischen der Asyl- und Migrationsbewegung sowie der Frauenbewegung zu schlagen. Sie nahm an der vierten Weltfrauenkonferenz teil und koordinierte ehrenamtlich die daraus resultierenden Arbeiten der NGO.

Von 1995 an arbeitete Anni Lanz als politische Sekretärin bei Solidarité sans frontières. Es gelang ihr, in enger Zusammenarbeit mit Migrantinnen, die Frauenthematik in der Schweizer Asylbewegung zu verankern. Gemeinsam mit dem Forum gegen Rassismus und der Verein für Menschenreche Schweiz (MERS) erstellte Anni Lanz mehrere NGO-Berichte für das UNO-Berichtsverfahren zu den von der Schweiz ratifzierten Menschenrechtskonventionen. Ein Höhepunkt Ihrer Tätigkeit bei Solidarité sans frontierès war der Aufbruch der Sans-papiers-Bewegung im Jahr 2001. Die Kirchenbesetzungen und die nachfolgenden Aktivitäten verhalfen den Sanspapiers zur Sichtbarkeit. Seit 2004 arbeitet Frau Lanz bei der Freiplatzaktion in Basel. Gleichzeitig hat sie mit Freunden eine neue Hilfsstruktur für Asylsuchende ohne Bleibe aufgebaut.

Würdigung durch die Juristische Fakultät

Anni Lanz hat sich als Soziologin und Baslerin über Jahrzehnte hinweg in verschiedenen schweizerischen Nichtregierungsorganisationen für Menschenrechte eingesetzt. Ihr Wirkungskreis umfasst vor allem das Asyl- und Migrationsrecht sowie die Frauenrechte, wobei sie die Schnittstellen dieser Problembereiche frühzeitig erkannt und in ihrer Arbeit Brücken geschlagen hat. Anni Lanz hat massgeblich die Ausrichtung der schweizerischen Frauenbewegung auf die internationalen Menschenrechte und die globale Vernetzung der Bewegung angestossen. Ihre berufliche und ehrenamtliche Tätigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass Frau Lanz das Recht konsequent in den Dienst an realen Menschen stellt und neben ihrer Lobby- und Kampagnentätigkeit jederzeit auch konkrete Hilfe leistet, insbesondere unter Einbezug der Betroffenen selbst. Mit Anni Lanz wird eine Vertreterin der Zivilgesellschaft gewürdigt, die einen fachlich fundierten, menschlichen und tatkräftigen Beitrag zur Verbesserung der fairen Rechtsanwendung und Rechtsentwicklung und zur Wirksamkeit der internationalen Menschenrechtsgarantien in der Schweiz leistet.

 

 



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