Lebenslauf
lic. phil Anni Lanz, Basel
Anni Lanz absolvierte nach dem Mädchengymnasium von 1965 bis 1969
eine vierjährige Ausbildung an der Kunstgewerbeschule und heiratete
mit 24 Jahren ihren Schulkollegen Niklaus Lanz. Nach verschiedenen
Tätigkeiten als medizinische Zeichnerin und als Verkäuferin entschied
sich Anni Lanz 1971 für ein Soziologiestudium. Ihr Hauptinteresse
richtete sich dabei auf soziale Bewegungen, nicht nur aus wissenschaftlicher
Perspektive sondern vor allem auch als Option für politisches Handeln.
Fasziniert von hierarchiefreien Gesellschaftsmodellen und Selbstverwaltung
bereiste Anni Lanz das Tanzania des "Mwalimu Nyerere".
Nach dem Lizentiat an der Universität Zürich erwarb sie das Basler
Wirtepatent, um mit ähnlich Gesinnten im Jahre 1979 den Selbstverwaltungsbetrieb
und die Beizengenossenschaft Hirscheneck in Basel zu gründen. 1982
baute Sie den Gastwirtschaftsbetrieb in der Kulturwerkstatt Kaserne
auf, 1985 das Kultur- und Quartierprojekt "Alte Stadtgärtnerei",
das mit einer Volksabstimmung beendet wurde. 1984 engagierte sich
Anni Lanz in der Asylbewegung und in der Frauenbewegung. Dabei arbeitete
sie weiter im Gastgewerbe. Ab 1988 führte Anni Lanz die Kantine
der Kleinen Kunstgewerbeschule, baute mit türkischen und kurdischen
Frauen das Selbsthilfeprojekt Manolya auf und erwarb sich als teilzeitliche
Anwaltssekretärin das notwendige juristische Handwerk für die rechtliche
Beratung bei Manolya. Sie beherbergte 1993/94, zusammen mit anderen
Engagierten, von der Empfangsstelle abgewiesene Asylsuchende bis
zur Aufhebung der "Papierweisung" und beteiligte sich
seit 1988 beim Frauenrat für Aussenpolitik. Die Arbeit mit dem Asylrecht
öffnete ihr die Augen für die Bedeutung der Menschenrechte. 1993
nahm Anni Lanz am NGO-Forum der UNO-Menschenrechtskonferenz in Wien
teil. Zusammen mit engagierten Migrantinnen gelang es Anni Lanz,
Brücken zwischen der Asyl- und Migrationsbewegung sowie der Frauenbewegung
zu schlagen. Sie nahm an der vierten Weltfrauenkonferenz teil und
koordinierte ehrenamtlich die daraus resultierenden Arbeiten der
NGO.
Von 1995 an arbeitete Anni Lanz als politische Sekretärin
bei Solidarité sans frontières. Es gelang ihr, in
enger Zusammenarbeit mit Migrantinnen, die Frauenthematik in der
Schweizer Asylbewegung zu verankern. Gemeinsam mit dem Forum gegen
Rassismus und der Verein für Menschenreche Schweiz (MERS) erstellte
Anni Lanz mehrere NGO-Berichte für das UNO-Berichtsverfahren
zu den von der Schweiz ratifzierten Menschenrechtskonventionen.
Ein Höhepunkt Ihrer Tätigkeit bei Solidarité sans
frontierès war der Aufbruch der Sans-papiers-Bewegung im
Jahr 2001. Die Kirchenbesetzungen und die nachfolgenden Aktivitäten
verhalfen den Sanspapiers zur Sichtbarkeit. Seit 2004 arbeitet Frau
Lanz bei der Freiplatzaktion in Basel. Gleichzeitig hat sie mit
Freunden eine neue Hilfsstruktur für Asylsuchende ohne Bleibe
aufgebaut.
Würdigung durch die Juristische Fakultät
Anni Lanz hat sich als Soziologin und Baslerin über Jahrzehnte hinweg
in verschiedenen schweizerischen Nichtregierungsorganisationen für
Menschenrechte eingesetzt. Ihr Wirkungskreis umfasst vor allem das
Asyl- und Migrationsrecht sowie die Frauenrechte, wobei sie die
Schnittstellen dieser Problembereiche frühzeitig erkannt und in
ihrer Arbeit Brücken geschlagen hat. Anni Lanz hat massgeblich die
Ausrichtung der schweizerischen Frauenbewegung auf die internationalen
Menschenrechte und die globale Vernetzung der Bewegung angestossen.
Ihre berufliche und ehrenamtliche Tätigkeit zeichnet sich dadurch
aus, dass Frau Lanz das Recht konsequent in den Dienst an realen
Menschen stellt und neben ihrer Lobby- und Kampagnentätigkeit jederzeit
auch konkrete Hilfe leistet, insbesondere unter Einbezug der Betroffenen
selbst. Mit Anni Lanz wird eine Vertreterin der Zivilgesellschaft
gewürdigt, die einen fachlich fundierten, menschlichen und tatkräftigen
Beitrag zur Verbesserung der fairen Rechtsanwendung und Rechtsentwicklung
und zur Wirksamkeit der internationalen Menschenrechtsgarantien
in der Schweiz leistet.
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